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Die Greenpeace Kampagne zu Outdoor-Kleidung

Fragen und Antworten zu PFC

Wir haben für Sie die häufigsten Fragen und Antworten rund um per- und polyfluorinierte Chemikalien (PFC) zusammengestellt.

Definitionen

  • Was sind per- und polyfluorinierte Chemikalien (PFC) und warum sind sie ein Problem?

    PFC sind umwelt- und gesundheitsgefährliche Substanzen, die seit 60 Jahren weitgehend bedenkenlos für industrielle Produkte eingesetzt werden. Einmal in die Umwelt abgegeben, verteilen sie sich global und werden sie nur sehr langsam abgebaut. Die Schadstoffe reichern sich ebenso in der Leber von Eisbären, wie auch in menschlichem Blut und der Muttermilch an. In seiner neusten Studie fand Greenpeace Deutschland heraus, dass diese gefährlichen Substanzen ihre Spur sogar in den entlegensten und unberührtesten Gebieten der Erde hinterlassen haben. Einige PFC schaden dem Fortpflanzungssystem, begünstigen das Wachstum von Tumoren und beeinflussen das Hormonsystem. Frühere Untersuchungen von Greenpeace International fanden PFC im Abwasser von chinesischen Textilfabriken und in Fischen für den Konsum in China. In anderen Studien wurden PFCs sogar im Trinkwasser gefunden. Mit Untersuchungen in den Jahren 2012 und 2013 fand Greenpeace heraus, dass sogar besonders gesundheitsschädliche, krebserregende PFC wie PFOS immer noch in Outdoor-Artikeln stecken. Zudem wurde gemessen, wie PFC von diesen Produkten in die Luft vausgasen oder ausgewaschen werden können.

  • Wieso werden PFC in Outdoor-Kleidung verwendet?

    PFC werden aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften (Ölabweisung und Imprägnierung) in vielen Produkten verwendet. Ihr Haupteinsatzbereich in Textilien liegt in atmungsaktiven Membranen und schmutzabweisenden und wasserfesten Überzügen und Oberflächenbehandlungen. Deshalb werden PFC in Allwetterjacken und Regenhosen vorgefunden, aber auch in Zelten, Schuhen, Badekleidung, Arbeitskleidung, Hotel-Leintüchern, Sitzbezügen und vielen weiteren Gegenständen.

    Membranen in Outdoor-Kleidung gewährleisten ihre Undurchdringbarkeit durch Wasser. Atmungsaktive Membranen bestehen oft aus Polytetrafluorethylen (PTFE). PTFE ist ein fluorierter Polymer bestehend aus Fluor und Kohlenstoff. Diese Membranen sind Konsumenten auch unter registrierten Markennamen bekannt: Gore-Tex® und Teflon®.

    Nebst den fluorierten Polymeren in Membranen werden PFC auch genutzt, um Gegenstände wasserfest und schmutzabweisend zu machen, was ihnen eine Qualität gibt, die Perl-Effekt genannt wird.

Risiken

  • Verschmutzen wir die Umwelt, wenn wir eine Jacke tragen, die PFC enthält?

    Der Hauptteil der Umweltverschmutzung geschieht während dem Herstellungsprozess der Jacke, wenn PFC in die Umwelt abgegeben werden. Deshalb sollten alle verantwortungsbewussten Outdoor-Marken PFC von der kompletten Belieferungskette entfernen und dafür sicherere Alternativen nutzen. Einige PFC können auch von Produkten, in denen sie enthalten sind, in die Luft abgegeben werden. Studien haben bereits gezeigt, dass die Luft in Outdoor-Ausrüstungsläden signifikant stärker mit flüchtigen PFCs wie Fluortelomeralkohole (FTOHs) verschmutzt ist, als die Luft in Räumen ohne wetterfestes Material.

  • Besteht ein Gesundheitsrisiko für mich, wenn ich eine Jacke trage, die PFCs enthält?

    PFCs gehen bekanntlich nicht direkt durch die Haut, und es gibt so gut wie keine Indizien für direkte Gesundheitsrisiken durch das Tragen von Kleidung, die PFC enthält. PFC werden während der Herstellung von Textilien und während des Gebrauchs und der Entsorgung von PFC-haltigen Produkten in die Umwelt abgegeben. Diese Substanzen können unsere Körper erreichen, wenn wir PFC-haltige Luft einatmen, Nahrung oder Wasser zu uns nehmen oder durch Hausstaub, dem wir ausgesetzt sind. Einige PFC sammeln sich im Körper an. Sie wurden auf der ganzen Welt im menschlichen Blut und in der Muttermilch nachgewiesen. Untersuchungen haben gezeigt, dass einige PFC dem Fortpflanzungssystem schaden, das Wachstum von Tumoren begünstigen und das Hormonsystem beeinträchtigen können.

  • Die Marke X meint, dass ihre Produkte keine PFOA, PFOS oder langkettige PFCs enthalten. Sind diese Produkte PFC-frei?

    Leider nicht. Viele Outdoor-Marken ersetzen langkettige PFC mit kurzkettigen PFCs und preisen dies als Lösung des Problems an. Es wurde jedoch wissenschaftlich belegt, dass sich die kürzere, flüchtigere PFC genauso in der Natur anreichern und sogar noch besser verteilen. Im Jahr 2014 haben mehr als 200 Wissenschaftler mit dem "Madrid-Statement Stellung" bezogen. Gemäß dem Vorsorgeprinzip fordern sie zum Schutz von Mensch und Umwelt ein generelles Verwendungsverbot von PFC zumindest für alle Verbraucherprodukte, darunter auch Bekleidung.

Alternativen

  • Welche Outdoor-Ausrüstung kann ich noch mit gutem Gewissen kaufen?

    Was ist der Zweck deiner Outdoor-Kleidung? Brauchst du sie für eine Expedition in die Arktis oder für einen Herbstspaziergang? Kleidung, die den Träger vor Wind und Wetter schützen soll, wird generell von aussen imprägniert und hat eine Membran-Auskleidung auf der Innenseite. Am besten fragst du den Verkäufer oder Hersteller, ob die Membran PFC-Verbindungen enthält. Es sind mehrere alternative Überzüge und Oberflächenbehandlungen verfügbar. Kein Outdoor-Material ist „grüne Chemie“, weil alles aus Membranen besteht, die nur langsam abgebaut werden. Jedoch sollten keine dieser Materialien in Deponien oder Einäscherungen enden, sondern in einem geschlossenen Kreislauf mit angemessenem Recycling und Wiederverwendung produziert werden. Alternativen zu Fluorcarbon-Behandlungen und –überzügen sind Wachse, Paraffine (wie Ecorepel®), Polyurethane (wie Purtex®), Dendrimere (wie Bionic Finish Eco®) und Silikone. Bionic Finish Eco® der Rudolf Chemie wird bereits von Vertreibern wie Tchibo, Lidl und Aldi und sogar von Kleiderherstellern wie H&M und Kaikialla verwendet. Andere Alternativen sind noch in der Versuchsphase, könnten aber in Kürze bereit für den Markt sein. Die Hersteller dieser Alternativen müssen beweisen, dass sie nicht schädlich fürUmwelt oder Gesundheit sind. Ausserdem sind Kleider, die für eine längere Zeit getragen werden, umweltfreundlicher. Es könnte auch Sinn machen, Funktionskleidung secondhand zu kaufen.

  • Sind PFC-freie Alternativen teurer?

    Aussagen aus der Branche zufolge sind diese Produkte ähnlich teuer. Die Kosten von Chemikalien in einem fertigen Produkt machen nur zwei bis vier Prozent des Preises aus.

  • Sind Alternativen gleich effektiv?

    Tests haben gezeigt, dass Fluor-freie Alternativen bezüglich wasserfesten oder -abweisenden Eigenschaften ähnlich effektiv sind. Outdoor-Kleider, die diese Alternativen nutzen, sind auch windfest, atmungsaktiv und können Regengüssen widerstehen. Nur was Öl- und Schmutzabweisung angeht sind PFCs immer noch besser als Fluor-freie Alternativen.

Über die Greenpeace-Kampagne

  • Wieso hat Greenpeace Expeditionen in entlegenen Gebieten durchgeführt?

    Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen bereits die globale Verbreitung von PFC. Mit einer groß angelegten Untersuchung von abgeschiedenen Regionen auf drei Kontinenten wollte Greenpeace einen aktuellen Beitrag zur Erforschung von PFC leisten. Schnee- und Wasserproben wurden auch auf kurzkettige PFC getestet, für die bisher nur wenige Daten vorliegen.Wir haben Orte ausgesucht, die sehr weit weg von der industriellen Nutzung dieser Chemikalien sind, insbesondere Gegenden in der Nähe von Bergen und – wenn möglich – in geschützten Gebieten. Wir haben Schnee- und Wasserproben genommen und sie in einem unabhängigen, anerkannten deutschen Labor analysieren lassen, das sich auf diese Art von Analyse spezialisiert hat.

  • Wie gelangen PFC in diese entlegenen Gebiete?

    PFC werden in verschiedenen Branchen benutzt und während des Herstellungsprozesses von zum Beispiel Textilien und während des Gebrauchs und der Entsorgung von PFC-haltigen Produkten in die Umwelt abgegeben. PFC können lange Distanzen zurücklegen und reisen vor allem in der Atmosphäre. So gelangen sie sogar in sehr entlegene Gebiete, weit weg von den verschmutzenden Industrien.

  • PFC haben viele industrielle Anwendungen. Woher wissen wir, dass die PFC aus dem Textil-/Outdoor-Sektor stammt?

    Neben Textil- und Outdoor-Produkten werden PFC in einer Vielzahl weiterer Produkte verwendet, z.B. Teppiche, Papierüberzüge, Löschschaum, Pestizide, Halbleiter oder in der Fotografie. Laut der Deutschen Umweltbundesamt UBA werden jedes jahr 80 000 bis 144 000 Tonnen Fluorpolymere künstlich hergestellt. Leider gibt es große Daten-Lücken für die detaillierten Zahlen aller verschiedenen Verwendungen und Substanzen. Zum Thema kurzkettige, flüchtige PFC (FTOH) zeigen Informationen, die vom dänischen Umweltministerium zusammengefasst wurden, dass „etwa 50% der Produktion (5000 Tonnen) in die Imprägnierung von textilen Konsumprodukten, zum Beispiel wetterfester Kleidung, Teppiche und Polstermöbel, fliesst“.